Archiv der Kategorie 'Straßennamen'

Bernhard Weiss

Platz in Dahlbruch

Adolf Stoecker

Eine besondere Erwähnung verdienen auch die Stöckerstraße in Flammersbach und am siegener Häusling. Adolf Stöcker war Theologe und Politiker. Daher war er schon im Kaiserreich ein Verfechter eines ständisch organisierten Gottesstaates, er war also ein antidemokratischer Feind der Trennung von Staat und Kirche. Er war Befürworter der Sozialistengesetze und diffamierte
die Aufklärung als „französiche Idee“, die für ihn die Zersetzung des deutschen Volkes verursachte. Außerdem war er Militarist und Verteidiger des deutschen Kolonialismus. Er war aber auch paranoider Antisemit mit Leib und Seele. In seinem Weltbild bedrohten die Juden das deutsche Volk von allen Seiten als Sozialisten und Großkapitalisten. Er war deshalb schon seinerzeit selbst im konservativen Lager umstritten. Kurzum: schon Jahrzehnte vor dem Nationalsozialismus vereinte er die furchtbarsten menschen-verachtenden Elemente der Nazi-Ideologie in einer Person.
Kein Grund für die Stadt Siegen, wo er als Politiker aktiv war, ihn nicht zu ehren. Ganz im Gegenteil Als die britischen Militärregierung 1947 verschlug die Straße umzubenennen, lehnte die CDU/FDP-Mehrheit dies ab.

Ferdinand Sauerbruch

In Bad Berleburg gibt es die Ferdinand-Sauerbruch-Straße. 1937 wurde Sauerbruch in den Reichsforschungsrat berufen, nachdem er seit Mitte der dreißiger Jahre dem Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft angehört hatte. Der Reichsforschungsrat unterstützte auch „Forschungsprojekte“ der SS, zu denen die Menschenversuche in den Konzentrationslagern gehörten. 1942 wurde er zum Generalarzt des Heeres ernannt und bewilligte in dieser Position im selben Jahr Mittel für Senfgasversuche an Häftlingen im KZ Natzweiler.

Ostlandstraße

In diesem Beitrag geht es um zwei Straßen, die nicht nach einer Person benannt wurden, sondern einer Idee gewidmet sind. Es geht um die Ostlandstraßen in Eisern und in Flammersbach. Dahinter verbirgt sich der Ruf nach deutschem Lebensraum im Osten, eine Idee, die zur Ideologie des Nationalsozialismus gehört und der Grund für den brutalen Vernichtungskrieg war, den die Nazis in Osteuropa führten.

Otto Krasa

Ein weiterer engagierter Nazi war der gosenbacher Lehrer Otto Krasa. Er trat früh der NSDAP und der SA bei und fungierte bald als Obertruppführer. 1945 wurde er für den Lehrerberuf als untragbar klassifiziert. Trotzdem ist er Ehrenbürger in Eiserfeld, Ehrenmitglied des Heimatvereins, Bundesverdienstkreuzträger und es wurde in Gosenbach der Otto-Krasa-Weg nach ihm benannt.

Lothar Irle

(* 16. Mai 1905 in Niedersetzen; † 15. Mai 1974 in Siegen)
„Heimatkundler“ und „Volksschrifsteller“
1925 schloss er das völkisch-konservative Lehrerseminar in Hilchenbach ab, politische Aktivität seit 1923 bei der „Brigade Ehrhard“ (einer der Stützen des Kapp-Lüttwitz-Putsches), ab 1924 im Völkisch-Sozialen Block (VSFB) einer Ersatzorganisation der verbotenen NSDAP (dort Mitglied ab 1931)
Bis 1931 in Marburg und Frankfurt a. M. Studium der nordischen und deutschen Philologie, Geschichte und Volkskunde, abgeschlossen mit Promotion.
Mitglied der SA, 1937 zum Oberscharführer befördert. Gauschulungsredner der NSDAP, ab 1934 Dozent für Volkskunde an der Hochschule für Lehrerbildung Dortmund vermutlich als Reaktion auf seine Tätigkeit als „Vorkämpfer für den Nationalsozialismus“ (Siegener Zeitung), bekennender Antisemit.
Schriften der Nachkriegszeit zeigen Kontinuität ethnisch-biologistischer und völkischer Auffassungen in der Heimatliteratur und Volkskunde über 1945 hinaus. Sein „Siegerländer Persönlichkeiten- und Geschlechter-Lexikon“ steht beispielhaft für die von Irle vertretene erinnerungkulturelle Sicht. Es nennt Angehörige der jüdischen Minderheit oder der Sozialistischen Parteien nicht oder kaum, wohl aber ausnahmslos positiv Protagonisten des NS-Systems mit und ohne Siegerländer Herkunft („Hermann Giesler, […]Professor, Architekt, u. a. Erbauer der Schulungsburg Vogelsang“).

Zitate:

Aus: „Familienkunde für das Siegerländer Jungvolk“ (1934):

„(Juden)…sind keine Deutschen. Nicht der Name macht einen zum deutschen Menschen, sondern das Blut.“
„… deutsches Blut (ist) viel zu kostbar, in fremden Rassen vergiftet zu werden, gleichgültig, ob diese Rassen in Afrika wohnen oder in den Grenzen des deutschen Reiches.“

Soldaten des Führers – Ode (Nebelung 1940)
Geballte Kraft erreichte große Taten,
das Reich baut unser Führer Stück um Stück.
Wir aber wurden auserlesen zu Soldaten
des Führers. Das ist unser Glück.

In Kaan-Marienborn befindet sich die Lothar-Irle-Straße. Irle unterrichtete Volkskunde als Dozent am Lehrerseminar. Als völkischer Nationalist und Antisemit wurde er schon als junger Mann Mitglied der Freikorps. 1931 trat er der NSDAP und der SA bei und kletterte als Dozent auf der Nazi-Karriereleiter hinauf. Nach 1945 durfte er nicht mehr in den Lehrerberuf zurückkehren und musste sich mit rassitisch-völkischer Prosa über das Siegerland über Wasser halten. Zwar konnte er politisch nicht mehr Fuß fassen, war aber immerhin noch Ehrenvorsitzender der Wandervereins und im Vorstand des Heimatvereins.

Hindenburg

Eine durchaus fragwürdige, aber leider nicht nur im Siegerland verehrte Person ist der Militarist und Reichspräsident Paul von Hindenburg. Er war schon als militärischer Funktionär im Kaiserreich Kriegstreiber und mitnichten Held. Logischereise war er Monarchist und alles andere als ein lupenreiner Demokrat. In seiner Funktion als Reichspräsident ernannte er 1933 Hitler zum Reichskanzler, weil ihm in seinem antikommunistischen Wahn dieser lieber war als eine Mitte-Links-Regierung. Dieses Datum sollte als die Machtergreifung der Nazis in die Geschichte eingehen.
Die Stadt Münster hat sich vor kurzem Parteien übergreifend dazu entschlossen hat, ihren Hindenburgplatz umzubenennen. Die Hindenburgbrücke in Siegen, der Hindeburgplatz in Neunkirchen und die Hindenburgstraßen in Niederdresselndorf und Siegen warten noch auf eine solche Entscheidung. In Hilchenbach hat man sich im Sommer 2012 dafür entschieden den Straßennamen beizuhalten, die Straßenschilder aber mit einer Plakette zu versehen. Dazu mehr hier und hier .