Brücken, Plätze und Straßen mit belasteten Namen

Eine alphabetische Aufführung aller uns bisher bekannten Straßen, Plätze und Brücken, die nach Nazis oder ihren Steigbügelhaltern benannt sind im gesamten Kreis Siegen – Wittgenstein findet ihr hier

All diesen Männern ist gemein, dass sie sich entweder aktiv am Nationalsozialismus und damit am verheerendsten Krieg der Weltgeschichte und am Holocaust, der einzigartigen Mordmaschinerie der Nazis, beteiligten oder diesem und seinen menschenverachtenden Ideologie Vorschub leisteten. Trotzdem konnten Nationalisten wie Fissmer, Krasa, Irle, Bonatz und Bach weitestgehend unbehelligt und als geschätzte Mitglieder der Gesellschaft weiter leben.
Wir finden das dies endlich ein Ende haben muss. An die Stelle einer blindwütigen Verehrung muss eine ehrlich und tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Rolle der Stadt Siegen und ihrer Prominenz im Nationalsozialismus treten. Statt der Ehrung mindestens fragwürdiger Persönlichkeiten, sollte ein Gedenken an die Opfer des Holocausts stattfinden, auf das ihre Namen und Leben nicht in Vergessenheit geraten und die Nazis sie so nicht vollends auslöschen konnten.
Wir fordern die Streichung aller Nationalisten und Antisemiten aus den siegener Straßenkarten!

Erste Reaktion:

Der Ehrenvorsitzende der CDU Wolfgang Ruth fordert die Umbenennung der Hindenburgstraße in Hilchenbach:
Hilchenbach entdeckt Hindenburg

Artikel der WR über die Hindeburgstraße in Siegen

Problemfall Hindenburg

Artikel in der WR zur Kundgebung der LiLi am 8. Mai in der Alfred-Fissmer-Anlage

Nationalisten und Antisemiten

Bernhard Weiss

Platz in Dahlbruch

Adolf Stoecker

Eine besondere Erwähnung verdienen auch die Stöckerstraße in Flammersbach und am siegener Häusling. Adolf Stöcker war Theologe und Politiker. Daher war er schon im Kaiserreich ein Verfechter eines ständisch organisierten Gottesstaates, er war also ein antidemokratischer Feind der Trennung von Staat und Kirche. Er war Befürworter der Sozialistengesetze und diffamierte
die Aufklärung als „französiche Idee“, die für ihn die Zersetzung des deutschen Volkes verursachte. Außerdem war er Militarist und Verteidiger des deutschen Kolonialismus. Er war aber auch paranoider Antisemit mit Leib und Seele. In seinem Weltbild bedrohten die Juden das deutsche Volk von allen Seiten als Sozialisten und Großkapitalisten. Er war deshalb schon seinerzeit selbst im konservativen Lager umstritten. Kurzum: schon Jahrzehnte vor dem Nationalsozialismus vereinte er die furchtbarsten menschen-verachtenden Elemente der Nazi-Ideologie in einer Person.
Kein Grund für die Stadt Siegen, wo er als Politiker aktiv war, ihn nicht zu ehren. Ganz im Gegenteil Als die britischen Militärregierung 1947 verschlug die Straße umzubenennen, lehnte die CDU/FDP-Mehrheit dies ab.

Ferdinand Sauerbruch

In Bad Berleburg gibt es die Ferdinand-Sauerbruch-Straße. 1937 wurde Sauerbruch in den Reichsforschungsrat berufen, nachdem er seit Mitte der dreißiger Jahre dem Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft angehört hatte. Der Reichsforschungsrat unterstützte auch „Forschungsprojekte“ der SS, zu denen die Menschenversuche in den Konzentrationslagern gehörten. 1942 wurde er zum Generalarzt des Heeres ernannt und bewilligte in dieser Position im selben Jahr Mittel für Senfgasversuche an Häftlingen im KZ Natzweiler.