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Ernst Bach
Ernst Bach war rechts-konservativer Lokalpolitiker. 1920 war er als Mitglied der Freikorps an der blutigen Niederschlagung der Ruhr-Aufstände beteiligt, später dann Mitglied der deutsch-nationalen Volkspartei und Antidemokrat. Nach 1945 erhielt er deshalb zunächst politisches Aktionsverbot durch die Briten. Nachdem dies im Zuge des kalten Kriges aufgehoben wurde, gelang es ihm sogar Mitglied des Landtages zu werden. Nach ihm ist die Ernst-Bach-Straße in der siegener Innenstadt benannt.

Paul Bonatz
Nicht nur die Stadt Siegen hat sich, die sich mit ihrer Ehrungspolitik nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Auch die hiesige Universität hat einen ihrer Campi nach dem Nazi-Architekten Paul Bonatz benannt. Bonatz war ein konsverativer Architekt und Hochschullehrer, der im Nationalsozialismus mit dem Bau von Autobahnbrücken und Luftschutzbunkern Karriere gemacht hat. Gerade letzteres scheint sich auf seinen Stil ausgewirkt zu haben. Diesen Eindruck erhält man zumindest wenn man sich den von ihm entworfenen Stuttgarter Kopfbahnhof einmal anschaut.

Alfred Fissmer
Im Herzen der siegener Oberstadt und direkt vorm Rathaus befindet sich die Alfred-Fissmer-Anlage. Fissmer war von 1919 bis zu seiner Amtsenthebung 1945 Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister Siegens und damit wohl sowas wie ein lokaler, kleiner Ersatzkaiser. Zwar war er bis zur Machtergreifung der Nazis parteilos, doch galt er als deutsch-nationaler Politiker und konnte somit das rechts-konservative Lager vereinen. Als die NSDAP 1923 nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch verboten wurde, ließ Fissmer sie in Siegen gewähren und ihre hasserfüllte Propaganda verbreiten. Zwar war er kein Nazi erster Stunde, doch trat er nach der Machtergreifung als bald möglich der NSDAP bei und wurde sogar förderndes Mitglied der SS. Gerade letzteres ist wichtig zu betonen, denn zu einer Mitgliedschaft in jener Terror- und Mörderbande wurde auch im Nationalsozialismus niemand gezwungen. Seine Verdienste für die Stadt Siegen bestehen darin, dass er gehorsam alle Befehle aus Berlin umsetzte: vom Bunkerbau bis zur Enteignung und Deportation von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Er bekam auf Vorschlag Hermann Görings den Kriegsverdienstorden verliehen.
Im Rahmen der Entnazifizierung wurde er von der britischen Militärregierung seines Amtes enthoben. Trotzdem wurde er Ehrenbürger der Stadt Siegen.
Fissmer war ein vorauseilend gehorsamer Nazi und nationalistischer Lokalpolitiker. Mitnichten ein Grund ihn hier, an einer derart exponierten Stelle zu ehren.

Friedrich Flick

Straße in Burbach
Umfangende Infos zur Person Flick und mehr gibts hier.

Walter Flex
Nicht nur Nazis werden in Siegen durch die Benennung einer Straße oder eines Platzes geehrt. Unter den fragwürdigsten Namenspatronen in Siegen befinden sich auch solche, die den Nazis ideologisch und praktisch den Weg ebneten.
Einer von ihnen ist Walter Flex. Der völkisch-nationalistische Schriftsteller produzierte eigentlich nur ein Buch in seinem kurzen Leben. Seine Prosa besticht vor allem durch seine männerbündische Kriegsromantik. Er starb als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Ihm ist die Walter-Flex-Straße am Emmy-Noether-Campus gewidmet.

Ernst Heinkel

Straße in Burbach (Industriegebiet), Ingeneur für die deutschen Luftwaffe, NSDAP-Mitglied seit Machtergreifung

Jakob „Bergfrieder“ Henrich
Auch zu erwähnen ist der Heimatforscher, Nationalist und aggressive Antisemit Jakob Henrich. Er war im Siegerland auch unter seinem Dichternamen „Bergfrieder“ bekannt. Nach ihm sind in Umland gleich zwei Straßen benannt. Zum einen die Jakob-Henrich-Straße in Krombach und zum anderen Die Bergfriederstraße in Eisern
Henrich war in den 1920er Jahren Mitglied der deutsch-nationalen Volkspartei und Anhänger der Ideen Stöckers.

Für Ahasver (den ewigen Juden!) sind die Rauch- und Rauschgifte nur Mittel zum Zweck, um die feinsten Nerven und den Willen der Wirtsvölker zu töten und die Betäubten ganz zu fesseln. (Zitat: Henrich, 1925)

Hindenburg

Eine durchaus fragwürdige, aber leider nicht nur im Siegerland verehrte Person ist der Militarist und Reichspräsident Paul von Hindenburg. Er war schon als militärischer Funktionär im Kaiserreich Kriegstreiber und mitnichten Held. Logischereise war er Monarchist und alles andere als ein lupenreiner Demokrat. In seiner Funktion als Reichspräsident ernannte er 1933 Hitler zum Reichskanzler, weil ihm in seinem antikommunistischen Wahn dieser lieber war als eine Mitte-Links-Regierung. Dieses Datum sollte als die Machtergreifung der Nazis in die Geschichte eingehen.
Die Stadt Münster hat sich vor kurzem Parteien übergreifend dazu entschlossen hat, ihren Hindenburgplatz umzubenennen. Die Hindenburgbrücke in Siegen, der Hindeburgplatz in Neunkirchen und die Hindenburgstraßen in Niederdresselndorf, Hilchenbach und Siegen warten noch auf eine solche Entscheidung.

Lothar Irle

In Kaan-Marienborn befindet sich die Lothar-Irle-Straße. Irle unterrichtete Volkskunde als Dozent am Lehrerseminar. Als völkischer Nationalist und Antisemit wurde er schon als junger Mann Mitglied der Freikorps. 1931 trat er der NSDAP und der SA bei und kletterte als Dozent auf der Nazi-Karriereleiter hinauf. Nach 1945 durfte er nicht mehr in den Lehrerberuf zurückkehren und musste sich mit rassitisch-völkischer Prosa über das Siegerland über Wasser halten. Zwar konnte er politisch nicht mehr Fuß fassen, war aber immerhin noch Ehrenvorsitzender der Wandervereins und im Vorstand des Heimatvereins.

Otto Krasa
Ein weiterer engagierter Nazi war der gosenbacher Lehrer Otto Krasa. Er trat früh der NSDAP und der SA bei und fungierte bald als Obertruppführer. 1945 wurde er für den Lehrerberuf als untragbar klassifiziert. Trotzdem ist er Ehrenbürger in Eiserfeld, Ehrenmitglied des Heimatvereins, Bundesverdienstkreuzträger und es wurde in Gosenbach der Otto-Krasa-Weg nach ihm benannt.

Ostlandstraße
In diesem Beitrag geht es um zwei Straßen, die nicht nach einer Person benannt wurden, sondern einer Idee gewidmet sind. Es geht um die Ostlandstraßen in Eisern und in Flammersbach. Dahinter verbirgt sich der Ruf nach deutschem Lebensraum im Osten, eine Idee, die zur Ideologie des Nationalsozialismus gehört und der Grund für den brutalen Vernichtungskrieg war, den die Nazis in Osteuropa führten.

Ferdinand Sauerbruch

In Bad Berleburg gibt es die Ferdinand-Sauerbruch-Straße. 1937 wurde Sauerbruch in den Reichsforschungsrat berufen, nachdem er seit Mitte der dreißiger Jahre dem Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft angehört hatte. Der Reichsforschungsrat unterstützte auch „Forschungsprojekte“ der SS, zu denen die Menschenversuche in den Konzentrationslagern gehörten. 1942 wurde er zum Generalarzt des Heeres ernannt und bewilligte in dieser Position im selben Jahr Mittel für Senfgasversuche an Häftlingen im KZ Natzweiler.

Adolf Stoecker
Eine besondere Erwähnung verdienen auch die Stöckerstraße in Flammersbach und am siegener Häusling. Adolf Stöcker war Theologe und Politiker. Daher war er schon im Kaiserreich ein Verfechter eines ständisch organisierten Gottesstaates, er war also ein antidemokratischer Feind der Trennung von Staat und Kirche. Er war Befürworter der Sozialistengesetze und diffamierte
die Aufklärung als „französiche Idee“, die für ihn die Zersetzung des deutschen Volkes verursachte. Außerdem war er Militarist und Verteidiger des deutschen Kolonialismus. Er war aber auch paranoider Antisemit mit Leib und Seele. In seinem Weltbild bedrohten die Juden das deutsche Volk von allen Seiten als Sozialisten und Großkapitalisten. Er war deshalb schon seinerzeit selbst im konservativen Lager umstritten. Kurzum: schon Jahrzehnte vor dem Nationalsozialismus vereinte er die furchtbarsten menschen-verachtenden Elemente der Nazi-Ideologie in einer Person.
Kein Grund für die Stadt Siegen, wo er als Politiker aktiv war, ihn nicht zu ehren. Ganz im Gegenteil Als die britischen Militärregierung 1947 verschlug die Straße umzubenennen, lehnte die CDU/FDP-Mehrheit dies ab.
Straßen in Siegen und Wilgersdorf

Bernhard Weiss

Platz in Dahlbruch

All diesen Männern ist gemein, dass sie sich entweder aktiv am Nationalsozialismus und damit am verheerendsten Krieg der Weltgeschichte und am Holocaust, der einzigartigen Mordmaschinerie der Nazis, beteiligten oder diesem und seinen menschenverachtenden Ideologie Vorschub leisteten. Trotzdem konnten Nationalisten wie Fissmer, Krasa, Irle, Bonatz und Bach weitestgehend unbehelligt und als geschätzte Mitglieder der Gesell-schaft weiter leben.
Wir finden das dies endlich ein Ende haben muss. An die Stelle einer blindwütigen Verehrung muss eine ehrlich und tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Rolle der Stadt Siegen und ihrer Prominenz im Nationalsozialismus treten. Statt der Ehrung mindestens fragwürdiger Persönlichkeiten, sollte ein Gedenken an die Opfer des Holocausts statt-finden, auf das ihre Namen und Leben nicht in Vergessenheit geraten und die Nazis sie so nicht vollends auslöschen konnten.
Wir fordern die Streichung aller Nationalisten und Antisemiten aus den siegener Straßenkarten!